Steuern

Ist die Gewerbesteuer wirklich die wichtigste Kommunalsteuer?

Nach Artikel 28 Abs. 2 GG umfasst die Gewährleistung der Kommunalen Selbstverwaltung die Grundlagen der finanziellen Eigenverantwortung. Zu diesen Grundlagen gehört eine den Gemeinden mit Hebesatzrecht zustehende wirtschaftskraftbezogene Steuerquelle. Das ist aktuell die Gewerbesteuer.

Die 1.001 Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg erzielen im Jahr 2025 nach einer Datenzulieferung des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg zusammen ein Brutto-Gewerbesteueraufkommen von 10.133.462.721 Euro. Hierauf entfällt eine Gewerbesteuerumlage von 945.187.956 Euro. Somit verbleibt ein Netto-Gewerbesteueraufkommen von 9.188.274.765 Euro. Der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer liegt im gleichen Jahr bei 8.180.127.591 Euro. Somit ist die Gewerbesteuer quantitativ über alle Städte und Gemeinden des Landes hinweg die quantitativ bedeutendste Kommunalsteuer.

Die Gesamtzahlen verdecken jedoch die Tatsache, dass die Gewerbesteuer (netto) nicht in allen Städten und Gemeinden die quantitativ wichtigste Kommunalsteuer ist. Das Gegenteil ist in der Realität der Fall. In vier Gemeinden ist das Netto-Gewerbesteueraufkommen des Jahres 2025 sogar negativ. Dabei handelt es sich um Wört, Wittlingen, Hausen am Tann und um Wain.

Die Netto-Einnahmen aus der Gewerbesteuer sind innerhalb von Baden-Württemberg sehr heterogen verteilt. In 820 baden-württembergischen Städten und Gemeinden ist vor Ort das Aufkommen beim Gemeindeanteil an der Einkommensteuer quantitativ im Jahr 2025 bedeutender als das Netto-Gewerbesteueraufkommen. Das ist mit 82 Prozent der deutlich überwiegende Teil der baden-württembergischen Städte und Gemeinden. In den allermeisten Städten und Gemeinden ist damit eine kommunal nur bedingt lenkbare Steuerart am ertragsstärksten. Aus demographischer Sicht birgt der Anteil der Einkommensteuer mancherorts Risiken, da in den kommenden Jahren viele Erwerbstätige in den Ruhestand treten. Mit dem Renteneintritt sinkt in der Regel das zu versteuernde Einkommen.

Die Gewerbesteuer konzentriert sich in ihrer Quantität auf einige wenige besonders ertragsstarke Städte und Gemeinden. Das mit Abstand höchste Netto-Aufkommen bei der Gewerbesteuer erzielt im Jahr 2025 mit rund 747 Mio. Euro die Landeshauptstadt Stuttgart. Insgesamt dreizehn, mit wenigen Ausnahmen in der Regel einwohnerstärkere Städte, erzielen ein Netto-Gewerbesteueraufkommen von mehr als 100 Mio. Euro. Das sind neben der Landeshauptstadt die Städte Karlsruhe, Mannheim, Freiburg im Breisgau, Biberach an der Riß, Walldorf, Ulm, Heidelberg, Heilbronn, Oberkochen, Böblingen, Ludwigsburg und Pforzheim. Zusammen knapp 3 Mrd. Euro des gesamten Netto-Gewerbesteueraufkommens entfällt allein auf diese dreizehn Städte. Das entspricht knapp 33 Prozent des gesamten Gewerbesteuer-Nettoaufkommens. Die Konzentration bei der Gewerbesteuer auf wenige besonders gewerbesteuerstarke Städte ist mithin sehr hoch: Nur 13 von 1.001 Städten erzielen rund ein Drittel des Gesamtaufkommens der Gewerbesteuer (netto).