Personal

Teilzeitpotentiale als Ressource bei Arbeitskräftemangel

Die Beschäftigtenzahlen im kommunalen Bereich in Baden-Württemberg haben in den letzten zehn Jahren eine gewaltige Steigerung erfahren. Umfasst der kommunale Bereich im Jahr 2015 insgesamt 185.550 Beschäftigte (gemessen in VZÄ, also Vollzeitäquivalenten), sind es im Jahr 2024 mit 234.550 VZÄ deutlich mehr – ein Plus von insgesamt 26 Prozent. Die Zahlen sind dabei in jedem Jahr gestiegen (Vgl. Kommunalfinanzbericht BW 2026, S. 24f.). Trotzdem wird auch in Baden-Württemberg – wie in anderen Ländern auf der kommunalen Ebene auch – nicht nur ein Fachkräftemangel, sondern teilweise mittlerweile sogar ein Arbeitskräftemangel beklagt.

Gnädinger, Marc: Kommunalfinanzbericht Baden-Württemberg 2026

Erhärtet sich die Entwicklung des Personalaufwuchses werden der Privatwirtschaft weitere Arbeitskräfte entzogen. Das erscheint aus vielfachen Gründen heraus als problematisch.

Das (Institut der deutschen Wirtschaft) IW sieht eine Möglichkeit für dieses Dilemmata (nicht speziell für BW, sondern für die Kommunen insgesamt) in der Ausweitung der Wochenarbeitszeit. Gemeint ist damit nicht eine Erhöhung der Sollarbeitszeit, sondern die Ausweitung der wöchentlichen Stundenzahl in Richtung Vollzeit bei den aktuell in Teilzeit Beschäftigten. Gerade für Baden-Württemberg weist eine Untersuchung des IW im Vergleich zu anderen Ländern hohe Potentiale in dieser Richtung aus (Vgl. IW: IW-Kurzbericht Nr. 58/2026, S. 2, oranger Balken).

Institut der deutschen Wirtschaft: IW-Kurzbericht Nr. 58/2026, Öffentlicher Dienst: Potenziale durch mehr Vollzeit

Natürlich ist Umstellung aller Beschäftigungsverhältnisse auf Vollzeit in der kommunalen Praxis nicht realistisch. Gleichwohl zeigen die Werte interessante Potentiale zu Erhöhung des Arbeitsvolumens. Anreize, eine höhere Wochenarbeitszeit zu wählen, können nach dem IW z.B. über eine stärkere Befristung von Teilzeit oder über verbesserte Kinderbetreuung gesetzt werden. Gesehen wird dabei jedoch, dass ein vermindertes Angebot an Teilzeitmodellen die Attraktivität des öffentlichen Dienstes schwächen würde.

Daneben darf in haushälterischer Hinsicht nicht vergessen werden, dass eine Erhöhung des Arbeitsvolumens mit höheren Personalausgaben einher geht. Und gerade das ist angesichts der angespannten finanziellen Leistungsfähigkeit zahlreicher Kommunen auch in Baden-Württemberg schwierig. Aufgabenkritik, effiziente Aufgabenorganisation und Standardabbau bleiben insofern wichtige Themen auf der Agenda.