Nachhaltigkeit

Klimarisiken mit Relevanz für die Finanzielle Leistungsfähigkeit

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) und die ERGO Versicherung haben einen Klimarisikoindex entwickelt. Er zeigt, wie stark die Stadt- und Landkreise in Deutschland heute und im Jahr 2050 Klimarisiken wie Sturm, Starkregen, Hitze, Dürre und Hagel ausgesetzt sind. Mit unterschiedlichen Gewichtungen fließen die Risiken Hitzestress, Hitzewelle, Wasserknappheit, Dürrestress, Starkregen, Überschwemmung, Sturmflut, Sturm, Tornado und Hagel in den Indexwert ein. Der Index offenbart damit, wie verwundbar die kommunale Infrastruktur durch Naturkatastrophen ist (0 = geringes Risiko, 10 = hohes Risiko). Für 2050 liegen alle Stadt- und Landkreise mit ihren Werten in bei einem Indexwert zwischen 3,1 und 5,88.

Von allen zehn untersuchten Naturgefahren ist nach der Untersuchung Deutschland vor allem von Sturm, Starkregen, und Hitzestress betroffen. Beim Thema Sturm wird der baden-württembergische Landkreis Biberach in der zum Index zugehörigen Meldung namentlich benannt.

IW: Klimarisikoindex: Welche Regionen besonders vom Klimawandel bedroht sind, Meldung vom 5. Januar 2026

Über die Meldung können die Werte der einzelnen Stadt- und Landkreise (in Baden-Württemberg) über eine Landkarte betrachtet werden. Die Rohdaten stehen dort zum Download bereit. Gerade in den baden-württembergischen Stadt- und Landkreisen in den Grenzregionen zu Frankreich, Rheinland-Pfalz und zu Hessen haben mehrere Regionen vergleichsweise hohe und damit risikointensivere Indexwerte. Die kreisfreie Stadt Mannheim ist unter den zehn Regionen mit den deutschlandweit höchsten 2050er-Gesamtindexwerten. Im benachbarten Heidelberg sind die Index-Werte ebenfalls vergleichsweise schwierig.

In der Begleitmeldung zum Index findet sich die Feststellung, dass vielen Kommunen bislang das Geld fehle, um sich hinreichend auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten – wörtlich heißt es dazu: „Wenn Bund und Länder die Kommunen weiter mit Aufgaben überfrachten, ohne für die Finanzierung zu sorgen, bleiben notwendige Investitionen auch künftig auf der Strecke“.

Insgesamt werden im Kontext der Klimafolgen die Zusammenhänge der beiden Aspekte nachhaltiger Kommunalfinanzen, mithin die Finanzielle Leistungsfähigkeit und die transformationsorientierte Mittelverwendung, deutlich – beiden hängen untrennbar miteinander zusammen. Aus Sicht der Finanziellen Leistungsfähigkeit heraus gedacht ist das trivial – die berühmte „Ohne Moos nix los“-Perspektive, will heißen, wer finanziell nicht leistungsfähig ist, wird i.d.R. in der Transformation entlang der Trias aus Ökonomie, Soziales und eben auch der Ökologie nicht so viel erreichen wie es wünschenswert wäre. Dem widerspricht auch nicht, dass es im Konkreten natürlich gerade vor Ort in Kommunen zahlreiche Möglichkeiten gibt, mit „grünen Ideen schwarze Zahlen zu schreiben“. Umgekehrt hat aber eben auch die transformationsorientierte Mittelverwendung als zweiter Aspekt nachhaltiger Kommunalfinanzen und hier im Speziellen im Kontext der Klimafolgen Rückwirkungen auf die Finanzielle Leistungsfähigkeit: Hitzeschäden im Wald, Hochwasserschäden usf. können im Einzelfall zu schwerwiegenden Belastungen der Finanziellen Leistungsfähigkeit führen – beide Aspekte nachhaltiger Kommunalfinanzen sind zusammen zu denken und vor allem auch zu steuern.

Neben der Gesamtfinanzsituation spielt Priorisierung bei Investitionen aber auch insgesamt im Kontext des Mitteleinsatzes bei den naturgemäß immer knappen Finanzressourcen eine entscheidende Rolle. Ein Instrument um diese Priorisierung zu erreichen sind Nachhaltigkeitshaushalte. Sie bilden beide Aspekte nachhaltiger Kommunalfinanzen ab und erlauben die Haushalts- und Nachhaltigkeitssteuerung ohne Aufbau einer Nachhaltigkeitsbürokratie.

Speziell für die ökologische Nachhaltigkeitsdimension, mithin auch für den Kontext der Klimafolgen, liegen Muster-Produktblätter vor. Sie können als Grundlage für eigene kommunale Überlegungen herangezogen werden (s. Gnädinger, Marc/Peters, Oliver (2023): Kommunaler Nachhaltigkeitshaushalt – SDG-orientierte Produkte im Rahmen des kommunalen Nachhaltigkeitsmanagements, S. 36 ff.)

Gnädinger, Marc/Peters, Oliver, Hrsg. Bertelsmann Stiftung (2023): Kommunaler Nachhaltigkeitshaushalt – SDG-orientierte Produkte im Rahmen des kommunalen Nachhaltigkeitsmanagements

Der Befund, dass Klima und Klimafolgen eine hohe Relevanz für die Menschen und natürlich auch für die Finanzielle Leistungsfähigkeit von Kommunen haben, ist eindeutig. Die Steuerungsinstrumente sind vorhanden. Es gilt, die Instrumente im konkreten Tun einzusetzen und nicht im Trubel des Alltagsgeschäft Problematiken zu verdrängen bzw. auf ineffiziente und ineffektive Lösungen zu setzen.

Bildquelle: Mit freundlicher Genehmigung entnommen aus Dillenburg, Kim Louisa: Fit für KI? Mit Future Skills das Controlling transformieren, Präsentation im Rahmen des KGSt Festivals am 04.12.2025, Folie Nr. 5