Steuern

Höchste und niedrigste Gewerbesteuer-Hebesätze 2025 in Baden-Württemberg

Im Jahr 2025 nahmen die Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg insgesamt 9,2 Mrd. Euro aus der Gewerbesteuer (netto) ein. Sie war damit vor dem Gemeindeanteil an der Einkommensteuer mit 8,2 Mrd. Euro die wichtigste Kommunalsteuer (vgl. Statistisches Bundesamt, Kassenstatistik 2025, Tabelle 71511-14). Hierbei ist allerdings zu beachten, dass die Gewerbesteuer relativ ungleich verteilt ist. Dadurch ist in kleineren Gemeinden oft der Einkommensteuer-Anteil höher, während in größeren Gemeinden tendenziell die Gewerbesteuer am wichtigsten ist (vgl. Burth/Bingel 2026, Ist die Gewerbesteuer für die Gemeinden wirklich am wichtigsten? Eine steuerstatistische Analyse, Kommunale Steuer-Zeitschrift (KStZ), Heft 2/2026, S. 21-28; Burth 2023, Welche Steuer für Gemeinden am wichtigsten ist, Innovative Verwaltung (iv), Heft 7-8/2023, S. 16-18).

Neben den höheren Gesamteinnahmen hat die Gewerbesteuer aus finanzpolitischer Sicht einen weiteren Vorteil gegenüber dem Einkommensteuer-Anteil: Mit dem Gewerbesteuer-Hebesatz können die Städte und Gemeinden ihre Einnahmen direkt beeinflussen und dadurch z.B. einen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung leisten. Bei der Einkommensteuer haben die Städte und Gemeinden hingegen kein Hebesatzrecht.

Mit dem höheren Hebesatz können die Städte und Gemeinden zusätzliche Steuereinnahmen generieren. Zu beachten ist hierbei allerdings auch, dass höhere Hebesätze die Attraktivität eines Standorts für Gewerbebetriebe senken. Wenn eine Stadt oder Gemeinde vor allem Einzelunternehmer (z.B. e.K.) und Personengesellschaften (z.B. OHG, KG) vor Ort hat, ist § 35 Abs. 1 EStG besonders relevant, wonach diese Betriebe/Personen die gezahlte Gewerbesteuer bis zu Hebesätzen von 400 % auf die Einkommensteuer steuermindernd anrechnen können. Hebesätze bis 400 % belasten diese Betriebe/Personen also faktisch nicht. Bei Kapitalgesellschaften (z.B.  GmbH, AG) gilt das jedoch nicht, da sie der Körperschaftsteuer unterliegen.

Der vorliegende Beitrag untersucht vor diesem Hintergrund, wie hoch die Hebesätze in Baden-Württemberg 2025 waren. Hierzu vergleicht er u.a. die Landkreise hinsichtlich der niedrigsten und höchsten Hebesätze.

Stadtkreise:

Wie die Abbildung zeigt, hatte Karlsruhe im Jahr 2025 den höchsten Gewerbesteuer-Hebesatz aller Stadtkreise mit 450 %. Dies war zugleich der höchste Hebesatz aller Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg, da keine kreisangehörige Stadt oder Gemeinde beim Hebesatz höher lag.

Am geringsten war er bei den Stadtkreisen in Ulm mit 360 %. Im kreisangehörigen Raum gibt es noch deutlich niedrigere Hebesätze.

Kreisangehörige Städte und Gemeinden:

Im kreisangehörigen Raum hatte Offenburg im Ortenaukreis mit 435 % den höchsten Gewerbesteuer-Hebesatz – gefolgt von Wörnersberg im Landkreis Freudenstadt mit 425 %.

Am niedrigsten lag er in Walldorf im Rhein-Neckar-Kreis mit 265 %. In der Stadt Walldorf hat das Software-Unternehmen SAP seinen Hauptsitz. Der Hebesatz von 265 % in Walldorf ist aktuell politisch besonders relevant, da in Deutschland nach § 16 Abs. 4 Satz 2 GewStG i.V.m. § 36 Abs. 5b GewStG ab 2027 ein Mindesthebesatz von 280 % gilt – aktuell liegt der Mindesthebesatz noch bei 200 %. Dadurch wird Walldorf spätestens 2027 dazu gezwungen sein, den Hebesatz auf mindestens 280 % anzuheben (siehe hierzu auch Burth/Leßmann 2025, Geplanter Gewerbesteuer-Mindesthebesatz von 280 %: Betroffene Gemeinden und erwartete Auswirkungen, Der Gemeindehaushalt, Heft 6/2025, S. 131-137). Walldorf ist die einzige Stadt oder Gemeinde in Baden-Württemberg, die zum Stand 2025 von dieser Neuregelung betroffen wäre. Den zweitniedrigsten Hebesatz hatten 2025 Büsingen am Hochrhein (Landkreis Konstanz), Gosheim (Landkreis Tuttlingen) und Obrigheim (Neckar-Odenwald-Kreis) mit jeweils 290 %.

Im kreisangehörigen Raum waren die Spannweiten vom niedrigsten zum höchsten Hebesatz innerhalb von Landkreisen 2025 sehr unterschiedlich: Während die Spannweite im Landkreis Sigmaringen nur 30 %-Punkte betrug, waren es im Rhein-Neckar-Kreis 155 %-Punkte.