HaushaltskonsolidierungNachhaltigkeit

Wasser- und Abwassergebühren steigen in 2026

Nach Meldung des Statistischen Landesamtes steigen die (Ab-)Wassergebühren in 2026 stärker als die Verbraucherpreise im Allgemeinen. Binnen eines Jahres (Stichtag jeweils der 1. Januar) verteuerte sich die durchschnittliche Wassergebühr um 5,5 Prozent, die Grundgebühr für die Wasserversorgung um 10,2 Prozent und die Schmutzwassergebühr um 6,4 Prozent.

Statistisches Landesamt BW: Wasser verteuert sich stark, Pressemitteilung 172/2026 vom 20. August 2026

In knapp der Hälfte der Gemeinden erhöhte sich die Wassergebühr (47 Prozent) bzw. Schmutzwassergebühr (44 Prozent). Dagegen blieb in einer weiteren knappen Hälfte der Gemeinden die Wasser- bzw. Schmutzwassergebühr in gleicher Höhe bestehen und in 5 Prozent bzw. 8 Prozent der Gemeinden reduzierten sie sich.

Eine interessante Einordnung der Wasser- und Abwassergebühr hat das Statistische Landesamt anhand von Durchschnittswerten vorgenommen – die Botschaft: Arbeitnehmer arbeiteten 2025 durchschnittlich rund 8 Stunden (1 Tag) für 1 Jahr Wasser- und Abwassernutzung.

Statistisches Landesamt BW: 1 Tag arbeiten – 1 Jahr Wasser nutzen, Pressemitteilung 49/2026 vom 16. März 2026

Die verbrauchsbezogene Wassergebühr liegt 2026 im Landesdurchschnitt nun bei 2,87 Euro je Kubikmeter und die an den Wasserverbrauch gekoppelte Schmutzwassergebühr bei 2,51 EUR/m³. Die Grundgebühr für die Wasserversorgung beläuft sich auf rund 76 EUR/Jahr und die Niederschlagswassergebühr auf 0,55 EUR je Quadratmeter abflusswirksame Fläche. Die Grundgebühr für die Wasserversorgung wird in fast allen Gemeinden (1.085 von 1.101) erhoben, wogegen sich die zusätzliche Grundgebühr für die Abwasserentsorgung auf 67 Gemeinden beschränkt.

Einzelgemeindliche Daten zu den Wasser- und Abwassergebühren (per Kartentool abrufbar)

Die Gebührenspanne zwischen den Gemeinden ist hoch. Das liegt zum einen daran, dass noch immer nicht alle Gemeinden kostendeckende Gebühren erheben. Das ist weder konsolidierungsförderlich, noch nachhaltig, weil dadurch die Verbräuche steigen und Entsiegelungsinitiativen zurückhaltender ausfallen.

Gnädinger, Marc: Nachhaltige Wasser- und Abwasserwirtschaft, Weblogbeitrag vom 17. August 2026

Daneben haben nach dem Statistischen Landesamt insbesondere nachfolgende Faktoren einen Einfluss auf die Gebührenhöhe: „Siedlungsstruktur, Topografie, der Sanierungsbedarf des Wasser- und Kanalnetzes, neue Anforderungen an die Abwasser- und Klärschlammbehandlung und zahlreiche weitere Faktoren beeinflussen die Wasser- und Abwassergebühren vor Ort.“

Erkennbar ist ein deutlicher Einfluss der Gemeindegröße auf die Schmutzwassergebühren: So übertrifft die durchschnittliche Schmutzwassergebühr in kleineren Gemeinden unter 5.000 Einwohnern (2026, aber auch in Vorjahren) deutlich den Landesdurchschnitt. Gebührenbelastend ist dort nach dem Statistischen Landesamt, dass sich der hohe Investitions- und Betriebsaufwand für Kanalisation und Kläranlagen auf wenige Einwohner verteilt.

Das gibt u.a. auch einen Hinweis auf das klassischste aller Beispiele für Remanenzkosten: Sinkende Nachfrage (durch weniger Nutzer) erhöht beim Abwasser die Durchschnittskosten. Teilweise steigen sogar die Gesamtkosten, weil z.B. mehr Durchspülungen stattfinden müssen.

HauhaltsSteuerung.de: Definition Remanenzkosten

Die Zentralisierung der öffentlichen Abwasserbehandlung hat i.d.R. Vorteile. Große Kläranlagen sind wirtschaftlicher zu betreiben als zum Beispiel kleine Ortsteilkläranlagen. Im Sinne des Gewässerschutzes ist der Betrieb großer Kläranlagen stabiler und lässt sich schneller an neue Anforderungen anpassen als bei kleinen Anlagen.

Statistisches Landesamt BW: Standorte kommunaler Kläranlagen in Baden-Württemberg 2022 (Landkarte)